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Bewegte Zeiten: Diese Maßnahmen sollten Unternehmen jetzt beachten

Welche Unsicherheiten bestehen momentan auf Seiten der Unternehmen und welche Herausforderungen müssen Unternehmen meistern? Insbesondere die Herausforderungen der Corona-Krise und die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts erfordern gezielte Maßnahmen, damit die Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben.

Operative Risiken

Die Auswirkungen der Corona-Krise sind noch lange nicht überwunden. Die Lieferkettenproblematik ist unverändert vorhanden. Es gibt Lieferengpässe und massive bis extreme Preissteigerungen, welche bei verschiedenen Produkten bei bis zu 100 % und mehr liegen. Zudem kämpfen einige Unternehmen mit der Sicherung der Energieversorgung.

Finanzierungsrisiken

Neben den operativen Risiken gibt es auch einige Finanzierungsrisiken. Denn die Banken versuchen, Risiken zu vermeiden und reduzieren. Die Nervosität auf der Seite der Banken steigt durch die aktuellen Risikopositionen zunehmend an. Die Zinsen steigen und die Jahresabschlüsse von 2020 und 2021 zeigen tendenziell eher schlechtere Ergebnisse und niedrigeres Eigenkapital. Dies führt zu schlechteren Ratings und steigendem Liquiditätsbedarf.

Die Probleme der Bankenseite gibt es selbstverständlich auch bei Kreditversicherern. So sind auf Unternehmensseite Bonitätsverschlechterungen zu erwarten, in deren Folge die Kreditlimits reduziert werden. Zudem laufen die Coronahilfen aus. Gleichzeitig beginnt die Tilgungsphase der Corona-Kredite.

Das sind die Folgen

Die Aggregation von verschiedenen Risikopositionen können für Unternehmen zu einer existenzgefährdenden Situation führen. Da man nicht absehen kann, wie viel Reaktionszeit den betroffenen Unternehmen zur Beseitigung einer Liquiditätskrise bleibt, sollte man mit Gegenmaßnahmen nicht lange warten.

Empfehlungen

Es geht jetzt primär darum, die Liquidität zu sichern und intensivere Maßnahmen intern und im operativen Bereich auf Seiten des Marktes beziehungsweise der Kunden einzuleiten. Hinzu kommt die Frage, welche Maßnahmen bezüglich der Finanzierung und der Banken empfehlenswert sind.

1. Liquditätssichernde Maßnahmen einleiten bzw. intensivieren

Bevor man Maßnahmen einleitet, sollte man eine Übersicht erstellen und sich bewusst machen, wie lange die verfügbare Liquidität unter den gegebenen Umständen ausreicht. Wichtig ist, eine vollständige Finanzplanung zu erstellen und im besten Fall alle wichtigen Kennzahlen eines Jahres zu berücksichtigen. So kann erkannt werden, wann Engpässe zu erwarten sind und wie diese reduziert werden können.

Mögliche Gegenmaßnahmen zur Reduzierung von Engpässen könnten sein:

  • Reduzierung der Liquiditätsabflüsse
  • Intensivierung des Debitorenmanagements
  • Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens oder
  • Reduzierung der Lagerbestände, soweit diese nicht für die Lieferfähigkeit notwendig sind.

2. Operative Maßnahmen auf Seiten des Marktes / der Kunden

Da Einkaufspreise auf Seiten der Lieferanten nicht unüblich sind, gilt es auch, die Preise der Kundenseite sofort anzuheben. Eine zeitversetzte Preiserhöhung kann für ein Unternehmen unter Umständen zu massiven Problemen führen.

Zudem sollten Preisgleitklauseln in neue Verkaufs- und Lieferverträge eingebaut und bei bestehenden Verträgen neu verhandelt werden. Alternativ sollten bestehende Liefer- und Kundenverträge gekündigt werden, um weitere Verluste und Liquiditätsabflüsse abwenden zu können.

3. Operative Maßnahmen auf Seiten des Unternehmens

Im internen Bereich sollte man kritisch beurteilen, wo das Unternehmen steht. Die unterjährige Buchhaltung und die Buchhaltungsauswertung (BWA) sollten in Bezug auf Aussagekräftigkeit und Vollständigkeit geprüft werden. So ist eine betriebswirtschaftliche BWA einer umsatzsteuerlich getriebenen BWA vorzuziehen, da erstere aussagekräftiger ist. Um einen Überblick zu bekommen, sollte zeitnah ein Jahresabschluss von 2021 erstellt werden.

4. Maßnahmen in Bezug auf die Finanzierung oder die Bank

Abhängig von den Ergebnissen der Finanzplanung sollte man Tilgungsaussetzungen verhandeln, falls dies notwendig ist. Neben den Corona-Krediten und Schnellkrediten, geht es vor allem auch darum, die Banken schnellstmöglich über eventuelle Engpässe zu informieren.

Weitere mögliche Maßnahmen:

  • Intensivierung und/oder die Professionalisierung der Finanzkommunikation
  • Einsatz alternativer Finanzierungsquellen (Factoring, Sale & Leaseback)
  • Beantragen von zusätzlichen Finanzmitteln

Fazit

Es ist zwingend notwendig, die Situationsbeschreibung und die Bestandsaufnahme des Unternehmens realistisch und ungeschönt zu betrachten. Man sollte eine Liquiditätsplanung über mindestens 12 Wochen erstellen. Besser noch wäre es, eine integrierte Finanzplanung über einen Zeitraum von 12 Monaten anzugehen.

Ebenso wichtig sind die Sicherung der Liquidität und der Unternehmensfinanzierung, die Reduzierung von Kosten sowie das kritische Überprüfen aller Verträge und das Einbauen von Preisklauseln.

Zudem sollte die Entwicklung der umsatzsteuerlich motivierten BWA zur “Qualitäts-BWA” eingeleitet werden. Auch die Professionalisierung der Kommunikation zu Banken und Kreditversicherern kann sich positiv auswirken.

Autor: KMU-Berater Jörg Conradi, stellvertretender Leiter der Fachgruppe Sanierung

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KMU-Berater Jörg Conradi

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