News, Presseinformation, 11.04.2019

Großbankenfusion schadet Mittelstandsfinanzierung

In der Diskussion über die mögliche Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank bleibt ein Thema außen vor – so die KMU-Berater: die Auswirkungen auf die Finanzierung des Mittelstandes. Die Finanzierungsspezialisten im Verband „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V.“ sehen in einer Fusion große Nachteile für die Finanzierung von Mittelstand und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).


„Ein Zusammengehen von Deutsche Bank, Postbank und Commerzbank bereitet uns mit Blick auf den Mittelstand große Sorgen“, sagt Gabriele Romeike-Fänger von der Fachgruppe Finanzierung-Rating der KMU-Berater.

Mit der Fusion entfalle ein Finanzierungspartner für sehr viele Unternehmen. Gerade für Unternehmen mit internationalem Geschäft seien die Dienstleistungen und Kreditvergaben der Banken nach dem Wegfall von Dresdner Bank und einigen Landesbanken bereits heute erheblich geringer geworden. Der Wegfall einer weiteren Großbank werde für den deutschen Mittelstand und viele KMU kaum kompensierbar sein. Das gelte vor allem für die zahlreichen Unternehmen, die heute bei beiden Banken Kunde sind. Eine fusionierte Bank werde mit Blick auf ihre Risiko-Konzentrationen voraussichtlich viele Kreditlinien reduzieren, so die KMU-Berater.

Damit wird eine weitere Finanzierungsalternative vom Markt genommen – wie bereits bei der Vollintegration der Postbank in die Deutsche Bank und den vielfachen Fusionen bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Letztere werden die so entstehenden Lücken nicht allein übernehmen können. Zwar stehen Finanzdienstleistungsinstitute wie Factoring- und Leasinggesellschaften vielfach als ergänzende Finanzierer zur Verfügung. Das bedeutet jedoch gerade im Mittelstand nicht, dass auf die Hausbanken und deren Beratung verzichtet werden kann. Auch die als FinTechs bezeichneten Kunden-Sammelplattformen oder Finanzmittelgeber im Internet stellen keine Alternative zum personenbezogenen und regionalem Auftritt der Banken dar, sondern lediglich eine Ergänzung. Vor allem ersetzen diese das Hausbanken-Know-how nicht

„Hinzu kommt, wie die bisherigen Erfahrungen mit Bankenfusionen zeigen, dass die drei Banken für mindestens drei Jahre mit ihrer Fusion beschäftigt sein werden und die Kundenbetreuung leiden wird“ befürchtet Romeike-Fänger.

Die KMU-Berater verweisen auch auf die Stabilität des Finanzsystems insgesamt: Nach der Finanzkrise galt die politische Forderung, dass es keine Banken mehr geben dürfe, die so groß seien, dass im Notfall doch wieder der Steuerzahler einspringen müsse. Gelte dieses Postulat jetzt nicht mehr, fragen die KMU-Berater?

„Auch die Rolle der Großaktionäre und dabei vor allem von Cerberus sollte mehr hinterfragt werden“, ist Romeike-Fänger überzeugt. Cerberus spiele an sehr vielen Stellen in der Bankenlandschaft mit und werde nicht gerade als mittelstandsnah eingeschätzt.

Außerdem verweisen die KMU-Berater auf die beginnenden Konjunktureintrübungen. Sollten sich diese fortsetzen und darüber hinaus einzelne Branchenbeurteilungen der Banken kritischer werden, sei mit deutlich zurückgehender Risiko- und Kreditvergabebereitschaft bei den Kreditinstituten zu rechnen. In diesem Umfeld Finanzierungsalternativen weiter einzuschränken, verbiete sich eigentlich von selbst.

 

Die Presseinformation können Sie nachfolgend herunterladen:


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