Presseinformation, News, 06.10.2015

Mittelstand: Abhängigkeit von nur einer Hausbank zu hoch

In der Finanzierung arbeiten viele Unternehmen mit nur einer Hausbank zusammen und machen sich damit von dieser abhängig. Handlungstipp der KMU-Berater: Eine zweite Hausbankbeziehung aufbauen.


Über 27 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland sind nach eigener Aussage bei der Unternehmensfinanzierung von ihrer Hausbank abhängig. Nur 23% der befragten Unternehmen bezeichnen sich als von ihrer Hausbank völlig unabhängig. Das ist ein Ergebnis des "KMU-Banken-Barometer 2015". Die Umfrage wurde vom Verband "Die KMU-Berater - Bundesverband freier Berater e. V." in Kooperation mit der "Deutsche Unternehmerbörse DUB.de" durchgeführt. Alle Ergebnisse stehen im Internet unter www.banken-barometer-2015.kmu-berater.de.

Als besonders bedenklich bezeichnet Bernd Tovar von der Fachgruppe Finanzierung-Rating der KMU-Berater die Antworten zu der Anzahl der Hausbanken: „Ein gutes Drittel der befragten Unternehmen haben nur eine Hausbankverbindung. Selbst Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern arbeiten zu 28 Prozent mit nur einer Hausbank zusammen. Das ist aus Beratersicht schon fahrlässig zu nennen" so Tovar.

Unternehmen, die nur auf eine Hausbank setzen, können durch den von allen Kreditverbänden erwarteten Rückgang der Erträge der Banken und durch die Auswirkungen von Basel III ein Problem bekommen. "Je nach Banksituation sind zum Teil deutlich negative Veränderungen in der Risikostrategie zu erwarten" so Tovar. Mit fatalen Folgen für die Unternehmen: Dies könne die Reduzierung eingeräumter Kreditlinien oder die Verweigerung notwendig werdender Kreditausweitungen zur Folge haben. Unternehmen müssten dann schnell Alternativen zur Hand haben, sagt Tovar.

Handlungstipp der KMU-Berater: Mittelständler sollten eine zweite in etwa gleich starke Hauptbankbeziehung zu einem weiteren Kreditinstitut aufbauen. "Dieser Schritt muss dann getan werden, wenn die finanzielle Situation gut ist. Das erleichtert zum einen den Aufbau neuer Kreditbeziehungen, zum anderen benötigt dieser Schritt viel Zeit gerade mit Blick auf die Verteilung der Sicherheiten" so Tovar. Hintergrund für diese Empfehlung der KMU-Berater: Banken und Sparkassen verfolgen unterschiedliche Risikostrategien. Das eröffne Unternehmen Finanzierungsspielräume. Außerdem sei auch nur auf dieser Basis ein wirklicher Wettbewerbsvergleich von Angeboten der Banken möglich.

Unternehmen sollten weitere Alternativen in ihre Finanzierungsstrategie einbauen. Darauf weist Nicolas Rädecke von DUB.de hin: "Die Frage nach weiteren externen Finanzierungsinstrumenten hat gezeigt, dass nur Leasing umfassend genutzt wird. Selbst Factoring setzen nur 13 Prozent der Unternehmen ein und lassen damit viele bewährte und auch neue Finanzierungsformen an sich vorbeiziehen. Das ist verwunderlich.". KMU-Berater Tovar ergänzt: "Unternehmen sollten Leasing, Factoring, Versicherungsdarlehen, Mitarbeiterdarlehen oder die neuen Möglichkeiten im Internet nutzen, um ihre Kreditspielräume bei den Hausbanken vor allem für die Kontokorrentkredite offen zu halten – also eine gezielte Finanzierungsstrategie erarbeiten und umsetzen".

Das KMU-Banken-Barometer umfasste zehn Standard- und zwei Sonderfragen. Die Umfrage konnte vom 18. Mai bis 26. Juli 2015 beantwortet werden. Davon haben wie im Vorjahr 155 Unternehmer/innen Gebrauch gemacht.

Über zwei weitere Aspekte der Ergebnisse haben wir bzw. werden wir ausführlich berichten:

Weitere Informationen:
Die KMU-Berater - Bundesverband freier Berater e. V.
Fachgruppe Finanzierung-Rating
Bernd Tovar
Tel: 02387-1016    E-Mail: tovar@kmu-berater.de

Die Pressemitteilung können Sie hier auch im PDF-Format herunterladen:


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