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Ratingfragen der Kreditinstitute im Mittelstand

Die drei Teile des Jahresabschluss-basiertem Rating

KMU-Berater Carl-Dietrich Sander ist fest davon überzeugt, dass hier noch vieles im Argen liegt:

  • Unternehmer/innen kümmern sich zu wenig um die Rating-Grundlagen und auch die Rating-Ergebnisse
  • Banken und Sparkassen informieren zu wenig über die Rating-Fragen und auch die -Ergebnisse.

Deshalb beschreibt er im folgenden Beitrag die wesentlichen Fragen der Ratingsysteme der deutschen Kreditwirtschaft, damit Unternehmer/innen besser vorbereitet in ihre Kreditgespräche gehen.

Ratingkommunikation als Zweibahnstraße

Ein sog. „Voll-Rating“ oder auch „Jahresabschluss-basiertes Rating“ besteht aus drei Teilen:

1. Kennzahlen aus den letzten drei Jahresabschlüssen

Je nach Umsatzgröße des Unternehmens und teilweise auch Branche beziehen die Institute unterschiedliche Kennzahlen in ihr Rating ein. Achtung: die Institute berechnen die Kennzahlen nicht immer nach den hier dargestellten „Grundformeln“, sondern bereinigen die Zahlen in unterschiedlicher Form. Daher Nachfragen.

  • Immer mit dabei ist die „Eigenkapitalquote„: Eigenkapital in % der Bilanzsumme. Aussage: welches Haftungspotenzial steht dem Unternehmen zur Verfügung.
  • Immer mit dabei eine Renditekennzahl in Anlehnung an die „Gesamtkapitalrendite“: Betriebsergebnis + Fremdkapitalzinsen in % der Bilanzsumme . Aussage: welche Rendite erwirtschaftet das Unternehmen mit dem insgesamt eingesetzten Kapital.
  • Und immer mit dabei: eine Cashflow-bezogene Kennzahl wie z.B. die „Cashflow-Rate„: Cashflow (Betriebsergebnis + Abschreibungen) in % der Gesamtleistung. Aussage: wie liquiditätsstark ist das Unternehmen.

Weitere Kennzahlen kommen hinzu. Empfehlung: Nach den verwendeten Kennzahlen fragen am besten in dem Tenor „was kann ich tun, um das Rating / meine Unternehmenssituation aus Ihrem Blickwinkel zu verbessern?“.

2. Fragenkatalog zur kaufmännischen Unternehmensführung

Hier wird die kaufmännische Expertise beurteilt unter der Überschrift: Wie gezielt und wie zukunftsorientiert wird das Unternehmen gesteuert? Die Fragenkataloge sind umso umfangreicher, je größer die Unternehmen sind.

Typische Rating-Fragen sind z.B. die folgenden:
  • Wie aktuell sind die Unterlagen, die eingereicht werden (Jahresabschlüsse, BWA)?
  • Ist das Unternehmen abhängig von einigen, wenigen Großkunden?
  • Wie ist die Marktstellung des Unternehmens?
  • Wie aussagefähig ist die unterjährige Berichterstattung (BWA)?
  • Wie wird im Unternehmen mit Planung umgegangen?
  • Ist die Nachfolge angemessen geregelt / in Angriff genommen?
  • . . .

Auch hier gilt: Fragen Sie nach den Themen des Rating und danach, wie Sie nach Meinung Ihres Bankbetreuers Ihre Unternehmensführung verbessern können. Sie müssen ja nicht immer mit ihm einer Meinung sein – aber der andere Blickwinkel des Bankers kann durchaus wertvolle Hinweise enthalten.

Wenn Sie die Ratingfragen in der Tiefe anschauen möchten, dann finden Sie diese im Internet unter www.strategiebaum.de.

3. Warnsignale aus der Kontoführung

Mit ausgefeilten EDV-Systemen verfolgen die Banken und Sparkassen Ihre Kontoführung und leiten daraus Warnsignale für das Rating ab. Problematisch für Sie: wenn Warnsignale ins Rating einfließen, führt das nicht zu einer nur graduellen Verschlechterung, sondern direkt zu einer Abwertung um eine oder sogar mehrere Ratingklassen. Deshalb gilt es, Warnsignale durch eine gezielte Disposition der Geschäftskonten zu vermeiden.


Typische Warnsignale sind:
  • Ständig steigende Kreditinanspruchnahmen
  • Eine Kreditinanspruchnahme dauerhaft knapp unter der vereinbarten Kreditlinie
  • Überziehungen der vereinbarten Kreditlinie
  • Rückläufige Habenumsätze auf dem Konto – womöglich in Verbindung mit einem der anderen Warnsignale

Weitere Informationen:
Umfassende Informationen zum Rating der Banken und Sparkassen finden Sie auch im Buch des Autors „Mit Kreditgebern auf Augenhöhe verhandeln – Praxisleitfaden zur Bankenkommunikation für Unternehmer und Berater“ aus dem NWB-Verlag, speziell im Kapitel 4: „Grundlagen einer Kreditentscheidung – das müssen Sie wissen“.

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