Begleitende Beratung und Wachstumsfinanzierung

KMU-Berater Bernd Tovar
KMU-Berater Bernd Tovar

KMU-Berater Bernd Tovar beschreibt die begleitende Beratung eines Unternehmens über einen Zeitraum von insgesamt rd. 13 Jahren. Das Beratungsbeispiel zeigt verschiedenste Facetten unterschiedlichster Beratungsthemen rund um einen mittelständischen Familienbetrieb – einem typischen KMU-Unternehmen in Deutschland mit den Schwerpunkten Wachstum und Finanzierung.

Der Beratungseinstieg – die plötzliche Nachfolge

Als KMU-Berater lernte ich die Inhaber der Wäscherei Meyer GmbH & Co. KG in Bad Iburg
- das Ehepaar Brigitte Köppen-Börs und Carsten Börs - Anfang des Jahres 2004 kennen. Sie waren damals Mitte dreißig, ihre beiden Kinder (Sohn u. Tochter) gingen zur Schule.

Sie hatten den Familienbetrieb mit ca. 90 MitarbeiterInnen 1999 nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernommen, und damit deutlich früher als vorgesehen. Insofern waren sie in diesem Geschäft noch relativ unerfahren und in Folge dessen in mancher Hinsicht unsicher, insbesondere was die kaufmännische Betriebsführung betraf. Der Ehemann ist Dipl.-Ing. Maschinenbau, die Ehefrau ist ausgebildete Steuerfachangestellte, arbeitete aber im elterlichen Betrieb – der Wäscherei – mit.
In der ersten Begleitberatungsphase ging es um diverse betriebs- und finanzwirtschaftliche sowie kaufmännische Themen.
 

Wäscherei Meyer Gmbh & Co. KG
Carsten Börs - Geschäftsführer Wäscherei Meyer
Finanzierungsstrategie: Die zweite Hausbank

Ein Wäschereiunternehmen ist sehr maschinen- und anlagenintensiv aufgestellt. Insofern waren umfangreiche Bankfinanzierungen gegeben. Allerdings gab es nur Kontakt zu einer Genossenschaftsbank als alleinige Bankverbindung. Diese Geschäftsverbindung bestand langjährig und galt beiderseits als vertrauensvoll und vollkommen ungestört und funktional.

Trotzdem folgten die Eheleute meiner Empfehlung, im Rahmen der strategischen zukünftigen Unternehmensentwicklung eine zweite Bankverbindung aufzubauen. Dies geschah dann im weiteren Zeitverlauf mit der regionalen, großen Sparkasse. Durch kleinere Finanzierungen und der behutsamen Entwicklung in der Betriebsmittelfinanzierung gelang mit der Zeit auch dort der Aufbau einer vertrauensvollen zweiten Hausbankverbindung. In diesen strategischen Entwicklungsschritt war die bisherige Alleinbankverbindung stets eingebunden. Sie hat diese Entscheidung immer verständnisvoll beurteilt und positiv begleitet. Heute hat das Unternehmen zwei wirtschaftlich starke Bankpartner mit vergleichbaren Finanzierungsanteilen.

Das Geschäftsmodell und seine Besonderheiten

An dieser Stelle macht es Sinn, das Geschäftsmodell des Unternehmens etwas näher zu beleuchten:
Für insgesamt rund 120 Kunden werden arbeitstäglich etwa zehn bis zwölf Tonnen Wäsche bearbeitet. Davon entfallen acht bis zehn Tonnen auf sogenannte „Flachwäsche“. Das sind Bettwäsche, Handtücher oder Berufsbekleidung aus Reha-Kliniken, Senioren- und Behinderten-Wohneinrichtungen und aus Hotel- und Gastronomiebetrieben. Die restlichen zwei Tonnen umfassen die persönliche Wäsche der Altenheimbewohner.

Diese beiden gänzlich unterschiedlichen „Produkte“ erfordern ganz verschiedene Bearbeitungsprozesse. Auch der jeweilige Personaleinsatz und –aufwand ist sehr verschieden. Die Flachwäsche kann hochgradig maschinell mit relativ geringem Personaleinsatz bearbeitet werden. Im Gegensatz dazu erfordert die Bewohnerwäsche spezielles Knowhow und umfangreiche Sortier- und Handarbeit, einhergehend mit hohem Organisations- und Platzbedarf.

Bislang wurden beide Abteilungen in einem Betriebsgebäude auf insgesamt nur 1.000 qm Betriebsfläche in äußerst beengten räumlichen Verhältnissen bearbeitet. Dies führte ständig zu völlig unwirtschaftlichen Rangier- und Umräumarbeiten sowohl bei der Schmutzwäsche als auch im Reinwäschebereich weil dafür insgesamt einfach zu wenig notwendiger Platz zur Verfügung stand. Die betrieblich zu nutzende Fläche war eindeutig das Entwicklungshemmnis des Unternehmens. Es gab auf dem gesamten bisherigen Betriebsgrundstück keinerlei Reserveflächen, um dort sinnvoll Abhilfe schaffen zu können.

Die einzig vernünftige Lösung dieser Problematik bestand in der Aufteilung des Betriebes in zwei separate Abteilungen auf jeweils eigenen Nutzflächen.

Im Gebäudealtbestand sollte die Bearbeitung der Bewohnerwäsche verbleiben und mittelfristig umsatzmäßig entwickelt und ausgebaut werden.

Für die Flachwäschebearbeitung sollte ein neues Betriebsgebäude mit einer Nutzfläche von rund 1.800 qm entstehen, in dem ein prozessorientierter Betriebsablauf mit hohem Automatisierungs- und Rationalisierungseffekt erreicht werden kann.

Wachstum und Investitionsphase 1: Grundstückskauf

Das Unternehmen hat sich in den Folgejahren wirtschaftlich weiter sehr erfreulich entwickelt. Das Geschäftsvolumen wuchs, die Kundenzahl erfuhr einen stetigen, kontinuierlichen Anstieg. Im weiteren Zeitverlauf stieß der Betrieb dann aber an seine Kapazitätsgrenzen. Eingekreist von vier Grundstücksnachbarn bestanden keine Möglichkeiten, betriebsnotwendige, räumliche Erweiterungen zu realisieren. Der gewachsene Wäschereibetrieb „platzte“ aus allen Nähten.

Das Inhaberpaar stand damit im Alter von Ende dreißig vor der Frage, wie sich diese betriebliche Konstellation in den kommenden zwanzig-dreißig Jahren weiterentwickeln ließ. Eine komplette Betriebsverlagerung an einen anderen Standort kam angesichts des damit verbundenen Finanzierungsvolumens und -risikos für sie nicht in Frage.

Glücklicherweise ergab sich dann die Möglichkeit, ein unmittelbar an den Betrieb angrenzendes Nachbargrundstück zu erwerben. Der dort ansässige Gewerbebetrieb wurde aus wirtschaftlichen Gründen an einen externen Standort verlagert. Die Grundstücksfläche in Größe von 5.500 qm bot ideale Voraussetzungen zur nachhaltigen Expansion des Wäschereibetriebes. Diese Überlegungen wurden auch von dem sich anbahnenden Interesse des Sohnes, den elterlichen Betrieb später einmal übernehmen und fortführen zu wollen, gestärkt.

Erste Pläne und Überlegungen zur Betriebserweiterung wurden angestellt. Mit dem langjährigen Maschinenlieferanten wurden Machbarkeitsstudien und Kostenpläne aufgestellt. Schon in dieser Phase wurden beide Banken regelmäßig in die Überlegungen eingebunden. Dort stießen die Betriebsinhaber auf verständnisvolle und finanzierungsbereite Gesprächspartner. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens hatten sich in den letzten Jahren weiter sehr positiv entwickelt.

Diese Überlegungen mündeten dann Ende 2012 in den ersten Schritt der geplanten Betriebsexpansion: Das Nachbargrundstück wurde gekauft. Die Finanzierung im mittleren sechsstelligen Bereich stellten zu gleichen Teilen beide Bankpartner gerne schnell und unbürokratisch zur Verfügung.

Flachwäsche-Bearbeitung in der neuen Halle
Flachwäsche-Bearbeitung in der neuen Halle
Investitionsphase 2: Erweiterungsbau

Diese Überlegungen wurden in den Jahren 2013 und 2014 weiter entwickelt, konkretisiert und zur Umsetzungsreife gebracht.

In dieses ehrgeizige und anspruchsvolle Projekt haben alle Beteiligten ihre jeweiligen Kompetenzen eingebracht. Herr Börs war federführend für die technischen Planungen zuständig, während seine Frau das Funktionieren des Tagesgeschäfts verantwortete. Während des gesamten Planungs- und Bauzeitraums hat es keinen einzigen Ausfalltag gegeben. Das Geschäft lief parallel zu 100 Prozent weiter, was eine enorme Belastung aber auch großartige Leistung darstellte.

Für das Projekt wurde vom KMU-Berater eine aussagefähige und komplexe schriftliche Konzeption erarbeitet. Sie diente u.a. den Banken als Grundlage für ihre Finanzierungsentscheidungen. In mehreren Gesprächen – immer mit beiden Bankpartnern gemeinsam - wurde dann die großvolumige Finanzierung des Projektes entwickelt. Selbstverständlich war der Steuerberater in dieses Projekt ebenfalls intensiv eingebunden, zumal einige steuerliche Besonderheiten nutzbar waren.

Die Grundstücks- und Gebäudeinvestition wurde mit rd. € 1,4 Mio. projektiert. Dazu kamen Investitionen für technische Anlagen, Maschinen und Einrichtungen in Höhe von etwa € 1,7 Mio. Für den Umbau des Altgebäudes waren ca. T€ 100 kalkuliert.

Das gesamte Betriebserweiterungsprojekt mit seinen bau- und maschinentechnischen Anforderungen und Lösungen, mit seinem umfangreichen Finanzierungsbedarf, mit der erarbeiteten Rentabilitätsberechnung und unter Berücksichtigung der guten Unternehmensbonität fand die uneingeschränkte Finanzierungsbereitschaft der Banken. Jede Bank stellte zu jeweils 50 Prozent langfristige Mittel in der erforderlichen Größenordnung zur Verfügung. Zur Besicherung der Darlehn bildeten sie einen sogenannten „Sicherheitenpool“. Dieser wird stellvertretend für die Finanzierungsparteien von einer Bank gemanagt.

Die gesamte Bau- und Umsetzungszeit für das Projekt dauerte dann knapp 1,5 Jahre.
Zum 01. Juli 2016 waren die umfassenden Maßnahmen wie konzipiert komplett realisiert.

Bearbeitung der Bewohnerwäsche im sanierten Altbau
Die Nachfinanzierung

Der Umbau des Gebäudealtbestandes barg dann im nächsten Schritt allerdings einige unerwartete Überraschungen. Insofern wurde noch eine durchaus nennenswerte zweite Finanzierungsrunde erforderlich.

Marode und sanierungsbedürftige Bausubstanz sowie überalterte Leitungen und Versorgungseinrichtungen galt es in diesem Zusammenhang unplanmäßig zu ersetzen. Diese Positionen verschlungen weitere rund T€ 500, für die eine Nachfinanzierung organisiert werden musste.

Auch hier zeigten sich die beiden involvierten Banken als verlässliche und verständnisvolle Partner. Die erforderlichen Mittel wurden selbstverständlich auch langfristig zu fairen Bedingungen zur Verfügung gestellt.

Resümee

Beide Betriebsabteilungen laufen jetzt in ihren jeweils eigenen Betriebsstätten optimal organisiert. Die neue Betriebskonstellation bietet zusätzliche Kapazitäten von arbeitstäglich mindestens zwei Tonnen im Flachwäschebereich und weiteren drei Tonnen bei der Bewohner-Wäsche. Dies bedeutet für die zukünftige Unternehmensentwicklung eine Kapazitätsreserve von insgesamt mehr als 50 Prozent.
Die Betriebsabläufe sind mit den ehemaligen nicht mehr zu vergleichen. Das Unternehmen Wäscherei Meyer in Bad Iburg hat sich für die Zukunft fit gemacht. Erste Neukunden konnten bereits gewonnen worden.

Im Oktober 2016