Presseinformation, News, 30.08.2011

Der nächsten Krise vorbeugen: Sicherheiten jetzt zurückholen


Viele mittelständische Unternehmen haben in der letzten Wirtschaftskrise neue Kredite benötigt. Um diese zu erhalten, mussten vielfach zusätzliche Sicherheiten gegeben werden. Die Fachgruppe „Finanzierung-Rating“ im Verband „Die KMU-Berater - Verband freier Berater e.V.“ empfiehlt Unternehmern, diese Sicherheiten jetzt neu zu verhandeln.

Der steigende Finanzierungsbedarf in der Krise machte aus Sicht der Banken vor dem Hintergrund verschlechterter Ertragszahlen eine zusätzliche Besicherung weiterer Kredite erforderlich. Das seinerzeit verständliche Sicherungsbedürfnis der Kreditinstitute ist heute vielfach nicht mehr gegeben: Die Kredite sind ganz oder zum Teil zurückgezahlt und die Kapitaldienstfähigkeit der Unternehmen hat sich deutlich verbessert und ist wieder „im grünen Bereich“. Die Sicherungsverträge sind allerdings in der Regel so gestaltet, dass eine Rückgabe der Sicherheiten nicht „automatisch“ erfolgt.

Daher müssen die Unternehmen jetzt auf die Banken zu gehen, sagt Werner Broeckmann, Mitglied der Fachgruppe „Finanzierung-Rating“, und nennt dafür zwei wesentliche Argumente: Erhaltung und Erweiterung des eigenen Kreditspielraums für die Zeit, wenn es wieder steigenden Kreditbedarf gibt – sei es für Wachstumsfinanzierung oder bei wieder schlechteren Zeiten. Verfügung über Sicherheitenpotenziale, um weitere Kreditgeber in die eigene Finanzierung mit einzubauen.

Zusätzlich spielen auch strategische und haftungsrechtliche Gründe gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) eine wesentliche Rolle. Denn vielfach, so Broeckmann, hätten die Banken in der Krise die Haftung auf Familienmitglieder, z. B. den Ehepartner, ausgeweitet. So haften nicht nur dingliche Sicherheiten wie Grundstücke oder Warenlager, sondern auch mehrere Beteiligte persönlich für einen Kredit.

Diese Entwicklung gelte es nun schrittweise zurück zu drehen: „Entscheidend ist, dass die Kreditinstitute je nach Bonität und individuellem Risiko eine angemessene Besicherung benötigen. Dies kann aber nicht bedeuten, dass eine Familie immer mit allem haften muss, was sie hat.“ Insbesondere wenn Personen Sicherheiten gestellt haben, die persönlich nicht begünstigt sind, sollte mit den Banken über die Freigabe von Sicherheiten gesprochen werden. Dabei könnten auch Teilschritte vereinbart werden.

Allerdings reicht dazu ein einfaches Gespräch häufig nicht aus, so Broeckmann: Erforderlich ist zunächst die Darstellung der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und der weiter positiven Perspektiven. Dazu kommt eine Überprüfung und Gegenüberstellung von vorhandenen Krediten und Besicherung als Gesprächsgrundlage.

Zukünftig sollte auch darauf geachtet werden, dass nicht alle Sicherheiten für sämtliche Kredite haften. Die Unternehmen sollten eine klare Vorstellung haben, welche Art von Sicherheiten Kreditinstitute benötigen und welche sie selber geben können und wollen.

„Sicherheiten müssen „atmen“. In schlechten Zeiten brauchen Banken mehr Sicherheiten, aber in guten eben weniger“, so Broeckmann.

Weitere fachliche Informationen:
Die KMU-Berater – Fachgruppe Finanzierung-Rating
Werner Broeckmann Tel: 02832/9303-18