Sanierer Wissensdatenbank, Sanierer News, 04.09.2014

Sanierung in Eigenverwaltung im Mittelstand

Gibt es eine sinnvolle Alternative zur Regelinsolvenz im Mittelstand? Na klar! Die Eigenverwaltung nach §270a/b InsO!


Thomas Planer Sanierungsexperte

KMU-Berater Thomas Planer

Diese Alternative erläutert KMU-Berater Thomas Planer in seinem Beitrag, von dem er selber sagt, dass dieser nicht allein sachlicher Natur sei, sondern auch etwas emotional gehalten.

ESUG, also das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen von Unternehmen, ist nun schon geraumer Zeit in Kraft. Trotz nachwievor gewisser Unschärfen, hat der erfahrene Sanierer und Sachwalter es geschafft, ordentlich damit umzugehen. Die ersten Verfahren sind durchgelaufen, die Unternehmen sind saniert, die Arbeitsplätze und Existenzen sind größtenteils erhalten worden, die Gläubiger haben eine höhere Quote in kürzerer Verfahrenszeit erhalten. Kurzum, trotz vieler Gegner und Unkenrufe……, das Eigenverwaltungsverfahren bewährt sich.

Fakt ist bereits jetzt:

1. Die Durchlaufzeit der Verfahren liegt bei 6 bis 9 Monate im Durchschnitt im Gegensatz zum Regelinsolvenzverfahren mit 4 bis 5 Jahren. (Quelle: Studie der Boston Consult Group)
Ergo: Der Gläubiger bekommt schneller sein Geld.

2. Die Quote für die Gläubiger ist signifikant höher und liegt (unterschiedlichen Quellen zufolge) bei durchschnittlich 16%* im Gegensatz zu 2,7%* im Regelinsolvenzverfahren
* = bezüglich der durchschnittlichen Quoten in beiden Verfahren existieren verschiedene Studien mit unterschiedlichen Quotenangaben. Allen gemein ist, dass die Quote im Eigenverwaltungsverfahren signifikant höher ist wie im Regelinsolvenzverfahren.

3. Die Eigenverwaltungsverfahren werden in der Regel früher angemeldet als die Regelinsolvenzverfahren und sind zwischenzeitlich meist besser vorbereitet. Hieraus resultiert eine höhere Anfangsmasse (Masseschmälerungen reduzieren sich auf ein Mindestmaß). Hieraus resultiert zum Teil die höhere Quote.

4. Durch die Aussicht, wieder Herr im Hause zu sein, und auch bezüglich der Mitarbeiter die Chance auf Erhalt des Arbeitsplatzes führt zu höheren Leistungen während des Verfahrens und somit auch zur höheren Masse (O-Ton GF eines Schuldnerunternehmens: „Da klotz ich und meine Männer doch ran, wenn ich danach wieder ein saniertes Unternehmen habe“).

Dennoch ist die Nutzung noch zu gering:

Und obwohl diese vier Punkte Realität sind, werden diese Erkenntnisse kaum publiziert und, was viel schlimmer ist, das Eigenverwaltungsverfahren ist bei vielen Unternehmern in der Krise nicht bekannt.

Dabei für mich völlig unverständlich: Gerade Steuerberater, die ja anhand des Geschäftsverlaufs erkennen, dass ihr Mandant in die Krise schliddert, bleiben untätig. Lieber verlieren diese „Berater“ ihr Mandat vollständig im Zuge der dann eintretenden Regelinsolvenz, statt Ihrem Mandanten die Möglichkeiten einer Eigenverwaltung zu erläutern (oder von einem Fachmann erläutern zu lassen)!

Die wenigen Steuerberater, die Ihre Mandanten auf deren Krise ansprechen, schicken den Mandanten zum Fachanwalt für Insolvenzrecht. Ohne hier dem Berufstand der Fachanwälte für Insolvenzverwaltung was Nachteiliges zu unterstellen: Meine Erfahrung zeigt, der Fachanwalt für Insolvenzrecht ist (meist) kein Sanierer. Er wird zwar die Insolvenzreife korrekt beurteilen, die (wirtschaftliche) Sanierungsfähigkeit - als Voraussetzung für die Eigenverwaltung - bleibt von ihm jedoch unbeachtet (zumindest in allen mir bekannten Fällen). Die Folge: Es wird zur Regelinsolvenz geraten. Schlimmer noch: Es wird fast immer zur Regelinsolvenz geraten, denn wenn man sich bei der möglichen Insolvenzreife geirrt hätte, könnte man ja einen Haftungsfall haben. Und wer will das schon?

Die unmittelbare Folge: Viele der möglichen Eigenverwaltungen verschwinden in der Regelinsolvenz und landen in der Zerschlagung!

Den richtigen Ansprechpartner wählen:

Wer ist denn nun der richtige Ansprechpartner für den Steuerberater bzw. den Unternehmer in der Krise?
Natürlich der erfahrene Sanierungsberater, wie er zum Beispiel in der Fachgruppe Sanierung des Bundesverbands „Die KMU-Berater - Bundesverband freier Berater e.V.“ zu finden ist. Denn der ist in der Lage, die Sanierungsfähigkeit und Sanierungswürdigkeit und die Insolvenzreife zu beurteilen.

Aus diesem Grund mein Appell an alle Steuerberater:
Wenn Sie einen Mandanten haben, der auf eine Krise zusteuert, haben Sie den Mut, ihn auf die Hinzuziehung eines insolvenzerfahrenen Sanierers anzusprechen. Tun Sie sich selbst einen Gefallen und erhalten Sie sich so selbst Ihren Mandanten!