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Kooperationen im Mittelstand – wer nicht groß ist, muss schlau sein

Etwa zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen kooperieren mit mindestens einem Partner. Kooperationen bieten sich vor allem dann an, wenn der wirtschaftliche Erfolg von Größe, Vielfalt, Geschwindigkeit und Risikoteilung abhängt. Kooperationen überwinden die Grenzen von Unternehmen, Ländern und Regionen sowie in Köpfen. Doch das Kooperieren will gelernt sein.  

Das sagt Frau Prof. Dr. Theresia Theurl, geschäftsführende Direktorin des Institut für Genossenschaftswesen der Universität Münster. Frau Prof. Theurl hat uns freundlicher Weise die nachstehende Kurzfassung Ihres Vortrags vom 23. Februar 2012 beim Konjunkturforum der Kärtner Raiffeisenbanken in Velden zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Kooperationsbeispiele

Zahlreiche Beispiele für Kooperationen mit spezifischen Kooperationsursachen existieren. So tun sich etwa selbständig bleibende Handwerker zusammen, um für größere Aufträge bieten zu können. Kleine Maschinenbauunternehmen betreiben einen intensiven Erfahrungsaustausch, legen Produktionsstandards fest und beschaffen zusammen Vorprodukte. Freischaffende Künstler arbeiten zusammen, um selbst Events zu organisieren und Gesamtlösungen anzubieten. Tourismusbetriebe erarbeiten ein Gesamtangebot, das die Stärken der Unternehmen der Region verbindet. Obstbauern einer grenzüberschreitenden Region vermarkten ihre Produkte zusammen. Unternehmen und Forschungseinrichtungen bündeln ihr Wissen in Clustern zur Entwicklung neuer Energie- und Mobilitätskonzepte. Alle diese Beispiele stammen aus Kärnten.

Kooperationslogik

Hinter jedem dieser Kooperationsprojekte steht dieselbe Logik: Es sollen die Vorteile eines großen Unternehmens genutzt werden, ohne jedoch seine Nachteile zu verspüren wie eine herausfordernde Steuerung, Entfremdung oder eine anwachsende Bürokratie. Ob eine Kooperation eingegangen wird, hängt vom Nettosaldo der Vor- und Nachteile ab. Erstere beinhalten Kostenvorteile, einen verbesserten Marktzugang sowie den Zugriff auf externe Ressourcen und Kompetenzen. Nachteile gehen mit Abhängigkeit, Koordinationskosten und einer Erschwerung der Entscheidungsfindung einher.

Kooperationsideen

Über eine Kooperation sollten Unternehmen immer dann nachdenken, wenn sie etwas besser machen wollen als bisher, wenn etwas Neues in Angriff genommen werden soll oder wenn man über seine Grenzen hinauswachsen will. Dies kann temporär der Fall sein – etwa zwecks gemeinsamer Durchführung eines Projekts – oder als andauernde Zusammenarbeit geplant sein, z. B. um gemeinsam die regionale Entwicklung zu fördern.

Manchmal tun sich ähnliche, manchmal heterogene Unternehmen zusammen. Im ersten Fall geht es häufig um die Kostenvorteile, die durch Größe entstehen sollen. Im zweiten Fall sollen Ergänzungen die Vielfalt des Angebots erweitern.

Kooperationsfehler

Nicht alle Kooperationen sind erfolgreich. In der Kooperationspraxis werden zahlreiche Fehler gemacht. Einer der konsequenzenreichsten ist der, dass Kooperationen nicht als stra­te­gische Entscheidungen entschieden werden, sondern als letzter Notnagel bei Problemen existentieller Art.

Schwerwiegend ist das Fehlen von operationalisierten Kooperationszielen, die Wahl eines falschen Kooperationsmodells oder ungeeignete Kooperationspartner. Häufig wird darauf verzichtet, verbindliche Spielregeln der Zusammenarbeit zu vereinbaren, was fast immer zu Komplikationen führt. Für manche Unternehmen stellt sich erst in der Kooperationspraxis heraus, dass sie die Abhängigkeit von Kooperationen nicht akzeptieren können.

Kooperationen müssen in Abhängigkeit von der Umweltunsicherheit kontinuierlich angepasst werden. Unterbleibt dies wegen einer fehlenden Anpassungsbereitschaft oder -fähigkeit verringert dies die Kooperationsvorteile.

Ein weiterer Managementfehler, der verbreitet ist, ist der Verzicht auf eine Erfolgskontrolle der Kooperation, was dazu beitragen kann, notwendige Korrekturen zu unterlassen. Die angeführten Fehler sind jene, die am weitesten verbreitet sind.

Fazit

Kooperationen benötigen ein gutes und umfassendes Kooperationsmanagement, um erfolgreich zu sein. Die meisten Kooperationsfehler sind vermeidbar, denn Kooperieren kann gelernt werden und nicht jede Kooperation muss in allen ihren Details neu erfunden werden. Wird dies berücksichtigt, führt die Kooperation von Unternehmen meist nicht nur zu Vorteilen der Kooperationspartner, sondern auch der Region und der Gesellschaft. 

Frau Prof. Dr. Theresia Theurl

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