Wachstum neu denken: Kooperation als Game Changer für Tech-KMUs

Blog Beitrag zum Podcast

Wachstum neu denken: Warum Kooperationen für Tech-KMUs zum entscheidenden Faktor werden

Viele kleine und mittlere Unternehmen aus dem Tech-Bereich stehen aktuell vor einem ähnlichen Dilemma:
Das Produkt ist stark, die Technologie überzeugend – doch echtes Wachstum bleibt aus. Innovation ist gewollt, scheitert aber häufig an fehlenden Ressourcen, Fachkräften oder Marktzugängen. Und irgendwann wird klar: Allein geht es nicht mehr.

Genau darüber spricht Timo Calla im KMU-Berater Podcast „Praxiswissen für den Mittelstand“ mit Christine Günther, Vorstandsmitglied im Bundesverband Die KMU-Berater und verantwortlich für den Bereich Digitales und Kooperationen. Mit ihrer Unternehmensberatung Digital Stab hat sie 2025 zudem die Marke ScaleCollective gelauncht – ein Angebot, das sich gezielt an Tech-KMUs richtet und Kooperation als Wachstumsmotor versteht.

Warum Kooperationen jetzt wichtiger sind denn je

Christine Günther beobachtet seit Jahren, dass Kooperationen international – etwa in den USA oder Asien – selbstverständlich Teil erfolgreicher Wachstumsstrategien sind. Dort wird in Ökosystemen gedacht: Wissen wird geteilt, Stärken werden kombiniert und gemeinsam skaliert.

Im deutschen Mittelstand hingegen dominiert häufig noch Zurückhaltung. Know-how wird geschützt wie ein Schatz, Partnerschaften werden skeptisch betrachtet. Aus Sicht von ScaleCollective ist hier ein klarer Mindset-Wechselnotwendig.
Wenn der Tech-KMU-Standort wettbewerbsfähig bleiben will, braucht es mehr strategische Zusammenarbeit – nicht weniger.

Typische Wachstumsbremsen im Tech-Mittelstand

In der Praxis begegnen Christine Günther immer wieder ähnliche Herausforderungen:
stagnierender Umsatz trotz ausgereiftem Produkt
Projektgeschäft statt skalierbarer Geschäftsmodelle
fehlende Ressourcen in Schlüsselbereichen
schwieriger Marktzugang trotz hoher technologischer Kompetenz

Besonders aktuell ist der Innovationsdruck rund um Künstliche Intelligenz. Viele etablierte Anbieter verfügen über tiefes Domänenwissen und Vertrauen im Markt, können aber nicht ohne Weiteres KI-Expertise auf dem notwendigen Niveau aufbauen.

Genau hier eröffnen Kooperationen enorme Chancen:
Etablierte Player treffen auf spezialisierte Technologiepartner – mit höherem Kundennutzen, schnellerer Markteinführung und geringerem Risiko für beide Seiten.

Warum so viele Kooperationen scheitern

Trotz guter Absichten scheitern viele Kooperationen früh – oft, bevor sie echten Mehrwert entfalten. Der Hauptgrund:
Sie entstehen aus Opportunität statt aus Strategie.

Häufig fehlen:
ein klares gemeinsames Ziel
ein definiertes „Warum“
ein belastbarer Business Case
Klarheit über Rollen, Ressourcen und Prioritäten

Stattdessen entscheidet Sympathie oder Euphorie. Strategische Fragen werden vertagt – bis Ressourcen knapp werden und die Kooperation versandet. Für Christine Günther ist klar:
Erfolgreiche Kooperationen beginnen immer mit einem sauberen strategischen Fundament.

Kooperation als Werkzeug – nicht als Selbstzweck

ScaleCollective versteht Kooperation nicht als Netzwerkpflege oder Logo-Tausch, sondern als strategisches Werkzeug, um konkrete unternehmerische Herausforderungen zu lösen.

Im Fokus stehen Fragen wie:
Welches Ziel soll erreicht werden?
Wo entsteht echter Kundennutzen?
Wer bringt welche Stärken ein?
Wie sieht ein tragfähiger Business Case aus?

Erst wenn diese Punkte geklärt sind, geht es um konkrete Partner, Vereinbarungen – und am Ende auch um Sichtbarkeit.

Warum ein unterschriebener LOI mehr ist als ein Symbol

Ein zentrales Versprechen von ScaleCollective:
Am Ende des Prozesses steht mindestens ein unterschriebener Letter of Intent (LOI) oder ein vergleichbares Dokument.

Dabei geht es weniger um die juristische Form, sondern um den Inhalt:
Der LOI ist die Verschriftlichung eines strukturierten Prozesses – mit klaren Zielen, Eckpunkten, Meilensteinen und echtem Commitment. Eine gute Idee wird so zu einem konkreten Vorhaben, hinter dem beide Seiten bewusst stehen.

Beratung neu gedacht: Teams kooperationsfit machen

Statt klassischer Folienberge arbeitet ScaleCollective direkt mit den Teams der Unternehmen. In Workshops und kurzen Iterationen werden:
Wachstumsbremsen analysiert
Kooperationshebel identifiziert
Partnerlogiken entwickelt
konkrete Gespräche vorbereitet

Das Ziel: Unternehmen langfristig zu befähigen, Kooperationen selbst strategisch zu nutzen. Die Beraterrolle versteht sich dabei als Sparringspartner, Strukturgeber und manchmal auch als Antreiber – nicht als dauerhafte externe Instanz.

Risiken bewusst gestalten statt vermeiden

Sorgen vor Kontrollverlust oder Abhängigkeiten sind im Tech-Mittelstand berechtigt. ScaleCollective begegnet diesen Ängsten nicht mit Beschwichtigung, sondern mit Struktur:
klare Scope-Definitionen
saubere Regelungen zu IP und Daten
Pilotphasen
Exit-Optionen
transparente Governance

Kooperationen sollen Identitäten nicht auflösen, sondern Stärken kombinieren – bewusst, vertraglich und nachvollziehbar.

Lernen aus Best Practices – branchenübergreifend

Ein weiterer Baustein ist der Best-Practice-Hub von ScaleCollective. Dort werden bekannte Marktbeispiele ebenso wie eigene Cases so aufbereitet, dass Muster erkennbar werden:
komplementäre Stärken, klarer Kundennutzen, gemeinsame Roadmaps und Lernbereitschaft als Kern erfolgreicher Kooperationen.

Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis davon zu schaffen, was Kooperation wirklich bedeutet – jenseits klassischer Vertriebspartnerschaften.

Kooperation mit Förderung: INQA & BAFA

Ein zusätzlicher Hebel ist die Förderfähigkeit der Programme. ScaleCollective ist u. a. für INQA-Beratungen autorisiert, die je nach Konstellation mit bis zu 80 % gefördert werden können. Das senkt die finanzielle Einstiegshürde deutlich und nimmt Kosten als zentrales Hemmnis vom Tisch.

Der beste erste Schritt für interessierte Tech-KMUs

Für Unternehmen, die prüfen möchten, ob Kooperation ein sinnvoller Wachstumspfad ist, empfiehlt Christine Günther einen klaren Einstieg:
ein unverbindliches Gespräch oder einen geförderten Strategieworkshop. Ziel ist Klarheit – ob und wo echte Potenziale liegen.

Fazit: Wachstum entsteht selten im Alleingang

Die zentrale Botschaft dieser Podcast-Folge ist eindeutig:
Wachstum im Mittelstand scheitert oft nicht am Produkt, sondern am Versuch, alles allein stemmen zu wollen.

Innovation, neue Geschäftsmodelle und Skalierung entstehen zunehmend dort, wo Unternehmen ihre Stärken strategisch bündeln. Wer Kooperation nicht als Risiko, sondern als gestaltbaren Wachstumspfad begreift, eröffnet sich neue Chancen – strukturiert, partnerschaftlich und umsetzbar.