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ToggleEin Fachbeitrag des Vorstandsvorsitzenden zur wirtschaftlichen Zukunft der Ukraine
Beim Wiederaufbau der Ukraine geht es meist um zerstörte Infrastruktur, Finanzierungsbedarf und internationale Hilfsprogramme. Dr. Hartmut Meyer, Vorstandsvorsitzender der KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V., richtet den Blick in seinem Beitrag „Entrepreneurial Reconstruction under Conditions of War and Recovery: A Conceptual Framework for Ukraine“ auf die Menschen, die am Ende entscheiden, ob Wiederaufbau gelingt: Unternehmerinnen und Unternehmer.
Die Kernthese
Unternehmerischer Wiederaufbau kann beginnen, bevor der Wiederaufbau nach dem Krieg beginnt. Die ukrainische Wirtschaft muss nicht bei null anfangen. Viele Betriebe arbeiten trotz Krieg weiter. Sie haben Standorte verlagert, Lieferketten umgebaut, Prozesse digitalisiert und neue Märkte erschlossen. Wer mit der Förderung dieser Substanz bis zum Kriegsende wartet, verliert Unternehmen, Wissen, Fachkräfte und Netzwerke, die später dringend gebraucht werden.
Sieben Säulen, drei Prozesse
Meyer beschreibt Wiederaufbau als Zusammenspiel von sieben Säulen, die sich gegenseitig bedingen: Sicherheit, institutionelles Vertrauen, Humankapital, Unternehmensfinanzierung, Innovation und Wissenstransfer, internationale Integration und Unternehmerkultur. Diese Säulen wirken in drei Prozessen, die gleichzeitig ablaufen können:
- Bewahren, was noch besteht,
- Wiederaufbauen, was nötig ist,
- Transformieren, was über die künftige Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.
Warum das auch den Mittelstand angeht
Der Beitrag enthält mehrere Gedanken, die weit über die Ukraine hinausreichen:
- Marktzugang ist noch keine Marktfähigkeit. KMU brauchen Kompetenzen bei Normen, internationalem Vertrieb, Partnerschaften und Finanzierung.
- Technologie muss in die Breite. Für die meisten KMU geht es nicht darum, KI selbst zu entwickeln. Sie müssen sie produktiv anwenden können.
- Von Hilfe zu Eigenständigkeit. Unterstützung ist dann erfolgreich, wenn Unternehmen danach dauerhaft ohne sie wirtschaften können.
Gerade bei Wissenstransfer, Internationalisierung und Technologieeinführung sind erfahrene Beraterinnen und Berater gefragt.
Mehr als Wirtschaft
Zum Schluss greift Meyer einen Gedanken des Rechtsphilosophen Arthur Kaufmann auf: Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Gewalt. Wer ein Einkommen erzielen, ein Unternehmen gründen und die eigene Zukunft mitgestalten kann, trägt zu gesellschaftlicher Stabilität bei. Unternehmertum wird damit zu einem Baustein für einen dauerhaften Frieden.