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Fußball-Bandenwerbung reicht nicht mehr

Wie kommen Handwerk und Kleingewerbe an Fachkräfte? H.-Peter Werminghaus vom Verband „Die KMU-Berater“ rät dringend zu proaktiver, moderner Außendarstellung – und warnt vor der Kluft zwischen den Generationen.

Die Außendarstellung verbessern

Herr Werminghaus, der Fachkräftemangel im Handwerk und Kleingewerbe wird lautstark beklagt. Ist der Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wirklich so leergefegt – oder erscheinen vielmehr die Jobmöglichkeiten als unattraktiv?

H.-Peter Werminghaus: Für mich hat das viel mit der Wahrnehmung und Positionierung der Betriebe zu tun: Wer nicht sichtbar ist, kann auch nicht wahrgenommen werden. Hier rede ich nicht etwa von „Employer Branding”, sondern von der rudimentären Möglichkeit der Wahrnehmung durch Interessierte.

Ich habe das Gefühl, dass viele Handwerksbetriebe in den Zeiten von Bandenwerbung beim örtlichen Fußballverein und Annonce in der Schützen-Festschrift stehengeblieben sind. Kurz: Ja, der Markt ist leergefegt. Es sei denn, man agiert proaktiv. Dann hat man noch Chancen.

Was sind die Hauptprobleme der Betriebe bei der Positionierung als Arbeitgeber?

Werminghaus: Die eigenen Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital der Kleinbetriebe. Eine werthaltige Empfehlung durch ein Firmenmitglied ist die größte Chance eines Unternehmens. Aber wer würde heute seine eigene Firma mit Überzeugung empfehlen? Da sehe ich eine riesige Baustelle.

Hochglanz-Prospekte hebeln kein informelles Netzwerk aus. Es geht um positive Antworten auf Fragen wie diese: „Sach mal, wie isset denn so bei euch?“ Bewertungsportale sind eine Ventilfunktion für frustrierte Mitarbeiter und werden leider, was Bewertungen betrifft, kritiklos übernommen.

Welche Rolle spielt die Kluft zwischen den Generationen?

Werminghaus: Leider eine große! Die Älteren wussten zum großen Teil genau, was sie wollten und gehen fälschlicherweise davon aus, dass es heute auch so ist.

Damit mischen sich in einem Nachfrager-Markt die Vorstellungen des Unternehmers und dem daraus resultierenden Textentwurf einer konventionellen Stellenanzeige mit den oft verwaschenen Vorstellungen einer Jung-Generation, die in der älteren Generation kein erstrebenswertes Vorbild sieht: „Auf keinen Fall so arbeiten wie die Eltern!“

Was müssten die Betriebe anders machen?

Werminghaus: Ich sehe eine Fülle von Chancen, das eigene Unternehmen in eine verbesserte Position zu bringen. Hier nur einige Beispiele:

  • An der Fähigkeit der Mitarbeiter arbeiten, Botschafter des Unternehmens zu sein.
  • Mit der eigenen Belegschaft in den Dialog gehen, um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen und die Notwendigkeit von Außendarstellung zu verankern.
  • Die Wahrnehmung des Unternehmens in der Öffentlichkeit durch digitale und persönliche Auftritte erhöhen.
  • Gezielt öffentlichkeitswirksam mit Beiträgen sichtbar werden, damit Journalisten interessiert berichten.
  • Branchennews, Kammer-Zeitschriften und Stadtmagazine mit Unternehmensdarstellungen nutzen.
  • Netzwerkveranstaltungen besuchen, um wahrgenommen zu werden.

Mitarbeiter zu finden ist die eine Sache. Sie dauerhaft zu halten, eine andere. Wie schaffe ich im Jahr 2020 ein attraktives Betriebsklima?

Werminghaus: Wenn die sogenannten Hygienefaktoren stimmen – Bezahlung und Umfeld – dann sind immer noch Sicherheit und das „Sich-angenommen-Fühlen“ die „Key Points“. Unter diesen beiden Oberbegriffen lässt sich je nach Unternehmensgröße eine ganze Menge Potenzial zur Mitarbeiterbindung entwickeln.

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