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Rezession: Die meisten KMU sind schlecht gerüstet

Viele Baustellen wurden in den letzten Jahren nicht angepackt – „Schuld“ war der Boom.

Viele kleinere und mittlere Unternehmen haben die jahrelange Boom-Phase in Deutschland nicht genutzt, um sich auf die nun drohende Rezession vorzubereiten. Zu diesem Schluss kommt Reinhard Stadler vom Verband „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.“. Er geht davon aus, dass sogar die Mehrheit der deutschen KMU mittelmäßig bis schlecht gerüstet ist, „wenn die See nun tatsächlich rauer wird“, wie es der in Oldenburg ansässige Sanierungsexperte Stadler formuliert.

„Im Tagesgeschäft verbleibt häufig zu wenig Zeit, um sich um Strategie, Unternehmensentwicklung und insbesondere um Entwicklung im Digitalbereich zu kümmern.“ Weite Teile des kleineren, inhabergeführten Mittelstands verfügten nicht über die nötige Widerstandsfähigkeit („Resilienz“), um einer längeren Krise standzuhalten.

Auch wenn der Abschwung selbst bekanntlich vor allem durch eine Vielzahl externer Faktoren begründet ist (Brexit, Handelskonflikte, Diesel-Diskussion etc.), ist das „eigentliche Problem der Unternehmen doch im Wesentlichen hausgemacht“, konstatiert Reinhard Stadler.

Probleme der Unternehmen oft hausgemacht

Er und seine Kolleginnen und Kollegen stellen beispielsweise immer wieder fest, dass die Selbsteinschätzung an der Unternehmensspitze oft nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmt. Banken haben den „Stresstest“ und bei Konzernen steht das Thema Risikoanalyse weit oben auf der Agenda. Bei KMU sei das eher die Ausnahme. Selbst die laufende Buchhaltung sei nach betriebswirtschaftlichen Kriterien oft unvollständig, werde lediglich zur Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung genutzt – verschenktes Informationspotenzial.

Fehlende Kontrollinstanzen

„Bei Unternehmen mit 20 bis 50 Beschäftigten gibt es meist nur eine einzige Chefin oder einen Chef“, sagt Reinhard Stadler. Die Geschäftsführung bekommt ihr Tun nicht ausreichend „gespiegelt“. Potenziell wirksame Kontrollinstanzen wie Aufsichts- und Beiräte seien nicht vorhanden. „Die jährliche Gesellschafterversammlung, die bei nur einem Gesellschafter aus dem formellen Akt der Genehmigung des Jahresabschlusses besteht, kann das nicht leisten.“

Auf dieser Grundlage seien „einsame Entscheidungen“ sozusagen an der Tagesordnung. Externe Beratung im Sinne einer zweiten Meinung werde oft als wenig zielführend und zu teuer wahrgenommen. „Dabei kann der nüchterne Experten-Blick von außen enorm hilfreich sein.“

Krisenmanagement wird zunehmen

Für das rechtzeitige Gegensteuern bei Fehlentwicklungen im Unternehmen, ist ein frühzeitiges Gespräch mit einem qualifizierten Unternehmensberater ratsam. Doch häufig ist die Realität eine andere: Wenn denn Profis von außen eingeschaltet werden, müssen sie nicht selten bereits einen „Feuerwehr-Job“ übernehmen.

„Dieses Krisenmanagement wird aller Voraussicht nach in den kommenden Monaten zunehmen“, schätzt Reinhard Stadler. Nicht zuletzt deswegen, weil die Kreditwirtschaft bei Anfragen aus dem gewerblichen Bereich viel zurückhaltender agiert als früher. „Die Zeiten, in denen ein Unternehmer in Begleitung seines Steuerberaters mal eben zur Hausbank geht, um sich finanziellen Puffer fürs kommende Jahr zu holen, sind definitiv vorbei.“

Fazit

Die hervorragende Auftragslage in den vergangenen Jahren hat nach Ansicht des Experten des Bundesverbands viele betriebsinterne Baustellen verdeckt, die nun nach und nach offen zutage treten.

Autor: Reinhard Stadler

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