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Corona-Krise: „Keine Marktbereinigung, sondern quasi eine Marktauflösung“

Mittelstand zutiefst verunsichert

Ein dramatischer Anstieg von Insolvenzen und Arbeitslosenzahlen am Horizont: Der Bundesverband „Die KMU-Berater“ sieht einen zutiefst verunsicherten Mittelstand.

Bei einer Dauer der Corona-Krise, wie wir sie jetzt erleben, von vier Wochen oder länger, rechnet Werner Broeckmann, Leiter der Fachgruppe Bauwirtschaft im Verband „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e.V.“, mit Arbeitslosenzahlen „von mindestens zusätzlich einer Million und mindestens zwei Millionen Kurzarbeitern“. Zwar scheinen die negativen Auswirkungen im Bereich der Bauindustrie derzeit noch überschaubar zu sein, so der Eindruck des Beraters aus dem niederrheinischen Kevelaer. Aber in der Gastronomie beispielsweise könnten sich kurzfristig die Insolvenzen häufen.

Krise trifft Mittelstand unerwartet

Der Mittelstand in Deutschland ist bekanntlich in heller Aufregung, das melden auch die Mitglieder des Bundesverbands. Laut Reinhard Schüren trifft diese ohnehin bis dato einmalige Krise die KMUs umso überraschender, da viele Unternehmen aus einer jahrelangen Hochkonjunktur kommen. Der Unternehmensberater aus Bamberg vergleicht die Situation mit einem vollbesetzten Hochgeschwindigkeitszug, „der nach zehn Jahren Höchsttempo innerhalb weniger Tage fast auf Schritttempo herunterbremsen muss“.

Bedrohung teilweise sehr hoch

Natürlich sind die unterschiedlichen Branchen nicht im gleichen Umfang betroffen. „Manche haben Sorge, dass sie aufgrund von Personalausfällen den Betrieb nicht aufrechterhalten können, manchen fehlen Zulieferungen, teilweise gibt es, zum Beispiel in der Eventbranche und der Gastronomie, komplette Einnahmeausfälle für die kommenden drei oder vier Monate“, gibt Anna Lisa Selter ihre Eindrücke wieder.

Fast allen sei aber gemein, dass sie sehr kurzfristig mit plötzlichem, massivem Umsatzrückgang konfrontiert würden, so die Beraterin aus Düsseldorf. „Viele haben für diese Situation auch keine vertragliche Absicherung mit Kunden und Lieferanten.“ Selter schätzt die Bedrohung extrem hoch ein: „Gesunde Unternehmen geraten in Not – das ist keine Marktbereinigung, sondern quasi eine Marktauflösung.“

Ruhe bewahren und sich laufend informieren

Was können Unternehmen nun tun? KMU-Berater-Mitglied Hans-Joachim Karp aus Neuwied empfiehlt, auch wenn es schwerfällt, die Ruhe zu bewahren und sich laufend bei den zuständigen Institutionen wie IHK, Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften, Steuerberatern oder Unternehmensberatern zu informieren. Auch wer noch nicht unmittelbar betroffen ist, sollte sich vorsorglich mit den anlaufenden Hilfsmaßnahmen, also den vom Staat zur Verfügung gestellten Mitteln beschäftigen.

Stärkung der Eigenkapitalausstattung unumgänglich

Aus Sicht von Ulrich Böcker aus Dorsten (NRW) sind Liquiditätshilfen nur in den Fällen sinnvoll, in denen die vermutlich unvermeidbaren negativen Jahresergebnisse durch die vorhandene Eigenkapitalausstattung aufgefangen werden können. „Sollte das nicht der Fall sein, wird eine entsprechende Anzahl an Unternehmen anschließend permanent am Rande der Insolvenz lavieren und sich nur mit positiven Fortführungsprognosen so lange über Wasser halten können, wie die Banken die Risiken in ihren Bilanzen auch tragen können. Die Bereitstellung weiterer Finanzierungsspielräume für einen Neustart nach der Krise würden die Ratingsysteme verhindern.

Der Berater fordert, dass – sobald sich die erste Krisenwelle gelegt hat –, unverzüglich das Thema Stärkung der Eigenkapitalausstattung (auch durch Inanspruchnahme entsprechender öffentlicher Programme) in Angriff genommen werden sollte, um einen sprunghaften Anstieg der Insolvenzen zu vermeiden. „Ob die vorhandenen Möglichkeiten für KMUs ausreichen oder erweitert werden müssen, bleibt abzuwarten.“

Chancen der Krise

Und – jede Krise beinhaltet auch Chancen: Die Corona-Krise wird den Prozess der Digitalisierung nochmals erheblich beschleunigen. Jede frei gewordene Minute sollten KMU jetzt dazu nutzen, digitale Kommunikationswege einzuführen und die Mitarbeiter weiterzubilden. Joachim Berendt meint dazu: „Wer jetzt seine frei gewordenen Ressourcen für zukunftsfähige digitale Geschäftsmodelle einsetzt und diese Potenziale aktiviert, wird diesen Vorsprung mitnehmen und nach der Krise zu den Gewinnern zählen.“

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